Firma Robert Adler

(Adler-Tropfen)

 

Robert Adler (1867-1936), Mitglied des Gewerbevereins Adorf im Jahre 1919, gehört zu den bedeutenden Adorfer Gewerbetreibenden, dessen Kreationen auch heute noch in vieler Munde sind und über Adorf und das Vogtland hinaus hoch gehalten werden.

 

Am 21. April 1891 begann Robert August Adler seine gewerbliche Tätigkeit. Im Adressbuch des Jahres 1896 von Adorf wird er sowohl unter den 14 Branntweinkleinhändlern als auch unter den 20 Colonialwaren-Handlungen in der Elsterstraße in Adorf aufgeführt.

 

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Sammlung Perlmutter und Heimatmuseum Adorf

 

Unter den Begriff „Kolonialwaren“ verstand man damals all jene Nahrungs- und Genussmittel, die aus überseeischen Kolonien bezogen wurden. Das waren zum Beispiel Gewürze, Kakao, Kaffee, Reis, Tee oder Zucker. In seiner Geschäftsanzeige führt er sein breites Sortiment auf und lässt dem Leser wissen, dass er deutschen Cognac aus eigener Fabrikation im Sortiment hat. Der Eintrag Oelsnitzerstrasse lässt vermuten, dass er eventuell an zwei Standorten ansässig war oder aber seine eigene Fabrikation und den Handel räumlich getrennt hatte.

 

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Im Jahre 1904 führt er in seiner Geschäftsanzeige bereits die „Adler-Tropfen“ als eine Spezialität und feinsten Magen-Bitter auf. Für seinen Branntwein-Kleinhandel wird hier die Elsterstr. 14 genannt, unter der auch der Kaufmann Robert August Adler mit seiner Wohnanschrift geführt wird.

 

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Mit seinen Adler-Tropfen war Robert Adler damals sehr erfolgreich. Diese wurden in den Jahren 1906 und 1907 mehrfach ausgezeichnet.

Den Grund dafür können wir in einem Sonderabdruck aus dem Illustrierten Familienblatte „Die Saison“ aus München lesen.

 

„Vorzügliche Tropfen sind es, die „Adler-Tropfen“, die ihren Namen keineswegs vom Beherrscher der Lüfte, dem gekrönten Aar herleiten, sondern von ihrem Fabrikanten, der uns in ihnen einen Magentröster spendet, wie man ihn so leicht nicht wiederfindet, sowohl was Wirksamkeit wie namentlich exquisiten Wohlgeschmack anbelangt. „Adler-Tropfen“ sind ein hochfeiner Magenbitter, der sich einer großen Beliebtheit erfreut und auf der Thüringer Gastgewerblichen Ausstellung in Greiz mit der Silbernen Medaille, sowie auf der Gewerbe- und Industrieausstellung in Zwickau mit der Goldenen Medaille – der höchsten Auszeichnung der Branche- prämiert wurde. Der Likör ist aus nur besten und edelsten Kräutern und Wurzeln in überaus glücklicher Zusammensetzung digeriert, ohne jeden Zusatz von Essenz und Farbe, somit ein reines Naturprodukt; aus der grossen Beliebtheit aber, die er in kurzer Zeit sich erworben hat, lässt sich schon von selbst auf seine ausgezeichnete Wirkung schliessen. Tatsächlich kann es aber auch kaum einen besseren Magenbitter geben. Denn infolge seiner gelungenen Zusammensetzung wirkt er nicht nur als Aperitivum, d. h. appetitanregend, sondern auch als Tonikum und Digestivum. Bei Magenverstimmungen wirken die Adler-Tropfen beruhigend, ausserdem aber die Verdauung befördern, dabei auch blut- und säftereinigend, so dass ihr regelmäßiger Genuss das beste Vorbeugungsmittel gegen Krankheiten aller Art ist, beruhen doch die meisten Leiden auf unrichtiger Blut- und Säftebildung. Auch Unterleibsstauungen werden durch die Adler-Tropfen wirksam bekämpft, bei allen diesen Vorzügen aber ist der Preis dieses Magenlikörs so niedrig bemessen, dass auch der Minderbemittelte in der Lage ist, sich ihn anzuschaffen. So sollte er denn auch in keinem Haus halte, auf keinem Spirituosenbüffet usw. fehlen. Anfragen und Bestellungen richte man an die Firma Robert Adler, Spirituosen, in Adorf i. Vgtl., an der Elsterbrücke, welcher Firma wir diese exquisiten Tropfen zu verdanken haben.“

 

Dieser Erfolg wird der Grund dafür gewesen sein, dass Robert Adler am 26. November 1906 beantragte, die Wortmarke „Adler-Tropfen“ für die Fa. Robert Adler, Adorf (Vogtl.) schützen zu lassen. Der Eintrag erfolgte am 17. Januar 1907 und wurde am 17. Juli 1916 und am 29. Juni 1926 verlängert.

 

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Wegen Ablaufs der Schutzfrist erfolgte am 21. Dezember 1936 die Löschung dieser Marke im entsprechenden Register.

 

Die Adler-Tropfen waren nicht der einzige Kräuterlikör, der in Adorf produziert wurde. Hier gab es starke Konkurrenz sowohl aus dem Café Wettin von Bäckermeister Jacob und aus dem Hause der Gebr. Hartmann. So war gesichert, dass für jede Magenverstimmung die passende Medizin vorhanden war.

 

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Am 9. September 1936 verstarb Kaufmann August Robert Adler in Adorf.  Seine Firma wurde von seiner Witwe Selma Pauline Adler, geb. Mothes und seiner Tochter Martha Anna gesch. Brandt als offene Handelsgesellschaft fortgeführt.

 

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Am 21. April 1941 beging die Firma Robert Adler, Kolonialwaren und Spirituosen, in der Elsterstraße 6 sein 50-jähriges Firmenjubiläum. In einem entsprechenden Zeitungsartikel wurde der verstorbene Firmengründer für sein Wirken für die Bürger der Stadt Adorf gewürdigt.

 

 

 

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Auf dem Foto unten sehen wir am rechten oberen Bildrand das Geschäft mit dem Namenszug R. Adler und dem damaligen Schaufenster an der Elsterbrücke in Adorf.

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Sammlung Kristina Becker

 

  Am 26. März 1942 wird im Handelsregister eingetragen, dass die Robert Adler, offene Handelsgesellschaft erloschen ist und Martha Anna gesch. Brandt, geb. Adler nunmehr Alleininhaberin der Firma ist. Am 8. November 1955 wurde Frau Brandt von einem Mitarbeiter des Rates des Kreises Oelsnitz, Abt. Industrie und Handwerk aufgesucht. Ihm gegenüber erklärte sie, dass die seit 1952 zum Erliegen gekommene Firma erloschen sei. Auf Basis dieser Erklärung erfolgte die Löschung der Firma im Handelsregister. Von den Adorfern wurde das Geschäft „Adler-HO“ genannt. Dies lässt vermuten, dass das Geschäft an der Elsterbrücke nach 1948 von der staatlichen HO (Handelsorganisation) übernommen wurde.

 

Das sollte nicht das endgültige Aus der „Adler-Tropfen“ sein. Nach dem Ende der DDR gab es Bemühungen die Produktion der Adler-Tropfen im Vogtland wieder zu beleben. Begonnen wurde 1996  mit einer Fertigung in den alten Bundesländern um dann 1997 wieder ins Vogtland zurück zu kehren.

 

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Seit dem Jahre 2003 produziert Herr Frank Felberg streng nach dem alten Rezept die traditionsreichen Adler-Tropen in Planschwitz bei Oelsnitz.

Am 29. März 1997 wurde vom Deutschen Patent- und Markenamt veröffentlicht, dass die Wortmarke „Adler-Tropfen“ wieder markenrechtlich geschützt ist.

Möge dieser feine Magentröster auch weiterhin unsere Verdauung fördern und blut- und säftereinigend wirken.

 

 

Klaus-Peter Hörr

Februar 2017

                    

 

 

 

 

 



[1] Café Wettin, Sammlung Peter Jacob                                                                                         

[2] Sammlung Perlmutter und Heimatmuseum Adorf

[3] Sammlung Perlmutter und Heimatmuseum Adorf

[4] Sammlung Perlmutter und Heimatmuseum Adorf