Der Familientag der „Heckel“ vom 17. - 21. Juli 1929                         in Adorf i. Vogtl.

 

Wer sich bereits mit seiner Familien- oder Firmengeschichte beschäftigt hat, wird bestätigen können, dass es spätestens bei der dritten Generation eng mit belastbaren Daten und Informationen werden kann. Schnell kommt man zu der Erkenntnis, dass man den Zeitpunkt einer Befragung der Eltern oder Großeltern zu diesem Thema unwiederbringlich verpasst hat. Hier hilft nur noch der Gang in die Archive und/oder die Unterstützung von Personen, die sich in diesem Metier auskennen.

Was man in den Archiven bei jahrelangen Recherchen und etwas Glück finden kann, zeigen die beiden nachfolgenden Berichte über den Familientag der „Heckel“ vom 17. - 21. Juli 1929 in Adorf.

Dieser Bericht beschreibt nicht nur eine über 1.000 Jahre dokumentierte Familiengeschichte der „Heckel“ sondern ist auch in interessantes zeitgeschichtliches Dokument, welches durch seine Sprache die gesellschaftliche Situation in Deutschland im Jahree 1929 beschreibt. 1929 war der Erste  Weltkrieg gerade einmal 10 Jahre vorbei und die Folgen immer noch spürbar. In den Köpfen vieler Deutscher hatte sich eine große Ungerechtigkeit bezüglich des Ausganges des Ersten Weltkrieges eingebrannt. Der Wunsch nach einem wieder erstarkenden Deutschland war weit verbreitet, welcher nach meiner Auffassung auch in diesen beiden Zeitdokumenten zum Ausdruck kommt. Es wird von engen Familienbanden, der Bedeutung der Blutsgemeinschaft, großer Volksgemeinschaft, großer Vergangenheit des deutschen Volkes, deutscher Einheit, opferfreudigem Bürgertum, einem tüchtigen und verantwortungsvollem Volkstum gesprochen. Weitere 10 Jahre später wurde mit einem lange vorbereiteten Krieg versucht, das Ergebnis des Ersten Weltkrieges zu revidieren. Das Resultat ist allen bekannt. Viele Äste der Familienstammbäume starben ab und so mancher Baum wurde für immer ausgelöscht.

 

Nachfolgend nun die beiden Artikel aus dem Adorfer Grenzboten. Der erste Beitrag als Vorschau auf diesen Tag und der zweite als ein ausführlicher Bericht.

 

Familientag der „Heckel“ in Adorf i. V.

 

Am 28. Juli d. J. (1929) feiert das über ganz Deutschland, besonders aber im Vogtlande verbreitete und noch in Adorf ansässige Geschlecht der Heckel daselbst seinen ersten Familientag. Im Jahre 975 wird es zuerst erwähnt unter den Beschützern des Klosters Kastel in der Oberpfalz, nahe Eger, in dessen Kirche sein Wappen, zwei gekreuzte Häckel, noch heute zu sehen ist. Im 12. bis 15. Jahrhundert stellte es unter den führenden Patriziergeschlechtern Egers mehrfach den Bürgermeister der damals freien Reichsstadt , und von 1450 an finden wir es angesiedelt in Adorf im Vogtland. Es erwarb das damalige Hammergut, die spätere untere Mühle, die mit dem zurzeit stillgelegten unteren Gasthof bis gegen 1870 im Besitze der Familie Heckel war, und beteiligte sich auch hier im Rate und durch Stiftungen für das Gemeinwohl der Stadt. Die Abhaltung dieses Familientages, dem ein umfassendes Studium vorausging, ist ein weiteres erfreuliches Zeichen dafür, daß man gerade in den letzten Jahren wieder Verständnis findet für den Wert familiengeschichtlicher Forschung und die Bedeutung der Blutsgemeinschaft, in einer Zeit, wo die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse den Boden zu untergraben drohen, auf dem allein ein tüchtiges und verantwortungsfreudiges Bürgertum wachsen kann. Ist es doch vornehmste Aufgabe der Familienforschung und der Familientage, mit der Festigung der engeren Familienbande den Sinn zu wecken und zu erhalten für die große Volksgemeinschaft, die große Vergangenheit unseres Volkes und die hohen sittlichen Güter, die uns von unseren Vorfahren überkommen sind. So ist gerade die Familienforschung , die den Blick zurück in die Vergangenheit unseres Volkes lenkt, in erster Linie dazu berufen, ein national fühlendes, seiner großen Vergangenheit stolz bewußtes und für die deutsche Einheit und Einigkeit opferfreudiges Bürgertum zu erziehen und zu erhalten.

 

Der Heckeltag in Adorf i. Vogtl. vom 17. – 19. Juli 1929

 

Es ist Erntezeit. Das Auge blickt noch einmal mit Wohlgefallen auf die wogenden, fruchtbergenden Aehrenfelder. Alles ist Welle und Wechsel, nur scheinbares Vergehen, vielmehr ein zuversichtliches „ad nos ad satutarem undam“.

Jahrhunderte bauten am gewaltigen Dome der Menschheitskultur. Notzeiten ließen Handel und Wandel stocken und das von der göttlichen Vorsehung erkorene Werk unterbrechen. Immer wieder erstanden Bauleute und Werkmänner und bahnten neue Perioden der Blüte an.

Es ist durchaus keine müßige Frage: Wie mag es nach einem Jahrtausend auf dem Acker der Menschheit aussehen? Welche Kräfte werden einst aus den stark geheizten Völkerkesseln Asiens und Afrikas rege und spürbar werden?

Unsere Geschlechter, Sippen und Stämme  sind die kleinen Adern im verästelten, buntbelaubten Völkerbaum des Sternes „Erde“.

Was mag der allmächtige Gärtner und Herr mit seinem „Feigenbaum“ noch vorhaben?

Diese und ähnliche Fragen bewegen den Familienforscher auf Schritt und Tritt, wenn er bei seinen „Ausgrabungen“ über Wellenberge schreitet und auch durch manch tiefes Tal seines Geschlechtes gehen muß.

Ein uralter, nachweisbarer Stamm der geschichtlichen Zeit unter der deutschen Völkerfamilie ist das Geschlecht der „Heckel“. Dies bezeugt schon das Heckel-Wappen: 2 gekreuzte Heckel - die nötigsten und einfachsten Werkzeuge und Hilfsmittel der ersten menschlichen Arbeit. „Heckel“ ist süddeutsche Form und Aussprache für kleine Hacke. – Die Zeit wird kommen und sie ist schon jetzt, da es jeden zwei Heckelsprossen gedankt wird, welch‘ wertvolles Tun sie durch ihre gründliche Familienforschung weitesten Kreisen geleistet haben. Ohne daß sich die 2 „Heckel“ aus Harburg und Biebrich irgendwie kannten, der eine nicht einmal von seiner Väter Heimat Adorf genaueres wußte, schürften der Facharzt Dr. med. Hans Heckel, Harburg-Wilhelmsburg und der Hofinstrumentenmacher Wilhelm Heckel, Biebrich am Rhein, nach geschichtlich verbürgten Heckel-Erinnerungen.

Die ungetrübte Entdeckerfreude ist ihnen „Lohn, der reichlich lohnet“ für die mühevolle Forscherarbeit. Das zeitraubende Suchen in den Kirchenbüchern der Parochie Adorf i. Vogtl. übernahm Oberlehrer Bruno Günther, Organist an St. Michaelis. Mit Bienenfleiß ist ein hoffentlich unvergänglicher wertvoller Schatz der Vergangenheit entrissen und der Zukunft zu getreuer Verwahrung übergeben worden.

Am Sonnabend, den 27. Juli 1929, trafen sich eine stattliche Schar der „Heckel“ im althistorischen „Löwen“ zu Adorf i. Vogtl. In trauter Geselligkeit saßen die Vertreter der einzelnen Heckel-Linien nebeneinander: die Adam-Linie mit ihrem Senior, dem noch tüchtigen, geistig frischen Bäck‘n-Heinrich und seinen Söhnen Hermann und Heinrich Heckel und Gattinnen nebst Kindern, der Holzblasinstrumentenfabrikant Wilhelm Heckel mit Gattin aus Biebrich am Rhein, die Gastwirtslinie mit Oskar, Anna und Selma mit Gatten und Kindern, welche heute noch Teile des Heckelbesitzes ihr eigen nennen, Ida mit Tochter aus Rebersreuth, Bernhard aus Langenhennersdorf (Sächs. Schweiz), Dr. Hans Heckel aus Harburg-Wilhelmsburg, Willy aus Kiel, sämtlich mit Gattinnen, der älteste Bruder Max befindet sich zur Zeit als Kapitän auf der Heimreise von Indien; ferner die Gottlieb-Linie mit dem Adorfer Feuerwehrkommandanten Brandmeister Alfred Heckel, Familie und Schwester. Die Blech-Instrumenten-(Bombardon)-Linie war vertreten durch Frau Schlott geb. Heckel mit Gatten, Kindern und Schwester Marie, Reinhold Heckel aus Mühlhausen. Ferner fanden sich ein der Mühl-Lob’l-Heckel mit Frau und Kindern, der Heckel-Arnold-Zweig, die Heckel-Valter (Valentin)-Linie, Franz Heckel mit Schwestern. Die Reichenbach-Elsterberg Linie vertrat Studienrat Dr. Falk; aus Oberlosa kam die Gattin Alfred Heckels mit Sohn, auch die Lengenfelder, Chemnitzer, Kirchberger, Geraer und Dresdner Zweige eilten herbei. Max v. Heckel als Angehöriger der bayrischen Linie sandte Grüße aus München, die weltbekannte Hamburger Hotel- und Gastwirtsfamilie ist auch dem Heckel Geschlecht zugehörig.

Mit der gewinnenden Art des Arztes und Seelenkenners ließ Dr.med. Hans Heckel, Harburg-Wilhelmsburg den Abend zu einer Feierstunde werden. Er zündete in den Herzen all der vielen Basen und Vettern ein Feuer an – nicht etwa zur Nährung eines Familienstolzes, sondern zum berechtigten Vertrauen auf die Heckelsche zähe Ausdauer, Kraft und Schärfe.

Müller, Bäcker, Tischler, Fleischer, Gerber, Färber, Mälzer (Brauer), Instrumentenmacher waren die Ahnen. Die Heckelsche Handwerkskunst verpflanzte sich durch Johann Adam Heckel, einen geschickten Instrumentenmacher, von der weißen Elster an die liedfrohen Ufer des Rheines. Noch heute hat eine alte Werkbank als Heiligtum einen Ehrenplatz im rheinischen Heim zu Biebrach. Mit Geschirr brachte sie vor hundert Jahren ein Heckel nach Hof in Bayern, von da aus gelangte sie am Main entlang nach der jetzigen Heimat des Hofinstrumentenfabrikanten Wilhelm Heckel. Wie wohl es um das Biebricher Heckel-Haus bestellt ist, davon zeugt der sprühende Geist und Witz und das fröhliche Herz unseres Wilhelm Heckel.

Am Sonntag, den 28. Juli, versammelten sich die Stammesgenossen zu einer gemeinsamen Tafel im Schützenhaus. Reiche geistige Speise wurde außerdem noch aufgetragen. Dr. med. Hans Heckel führte nach Worten herzlichster Begrüßung und des Dankes aus: „Nahezu ein Jahrtausend überblicken wir die Lebensschicksale unserer Ahnen, kommt uns doch die erste Kunde aus dem Jahre 975, wo sie als freie Landsassen und Beschützer des Klosters Kastel (Kappel bei Waldsassen?) nahe Eger genannt werden – in einer Zeit, wo unser deutsches Volk noch vereint war unter einem König, der durch seine Beamten, die Gau- und Landgrafen, das Vaterland regierte und durch seine Mark- und Burggrafen die Grenzen gegen den Feind schützte. Geblendet von den verführerischen Reizen des sonnigen Italiens und dem Prunktitel eines römischen Kaisers deutscher Nation schwand den Königen mehr und mehr das Interesse für ihr deutsches Königtum. Sie verloren die Zügel zu einer festen Regierung in Deutschland. So kam es, daß ihre früheren Beamten, die Grafen, sich selbst zu Landesfürsten erhoben und der Zerfall des einst unter einem König vereinten Deutschland in Hunderte von Kleinstaaten und freie Städte seinen Lauf nahm. Heute, nach einem Jahrtausend stehen wir wieder mitten im Kampf um die Wiedererkämpfung der deutschen Einheit, hinweg über die Schrecken innerer Klassen- und Partei-Zerrissenheit, über die von einem Diktat gezogenen unverständlichen politischen Grenzen.

Es ist deshalb ein erfreuliches Zeichen, daß in den letzten Jahren im Volke das Verständnis für den Wert familiengeschichtlicher Forschung und die Bedeutung der Blutsgemeinschaft wieder erwacht, zu einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Verhältnisse und der kleinliche Parteikampf den gesunden Boden zu untergraben drohen, auf dem allein ein tüchtiges und verantwortungsvolles Volkstum als Grundpfeiler staatlicher Ordnung erwachsen kann.

Vornehmste Aufgabe der Familienforschung und der Familientage ist es vor allem, durch Festigung der Familienbande zwischen den verstreuten Gliedern das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu wecken und zu erhalten für die große Volksgemeinschaft, die bewunderungswürdige Vergangenheit unseres deutschen Volkes und die hohen sittlichen Güter, die uns von den Vorfahren überkommen sind. Somit ist gerade die Familienforschung, die den Blick zurück in die Vergangenheit unseres Volkes lenkt, dazu berufen, ein völkisch fühlendes, für die deutsche Einheit und Einigkeit bewußt opferfreudiges Volkstum zu erziehen und zu erhalten.“

Hierauf ergriff der temperamentvolle und poetische Wilhelm Heckel, Biebrich, das Wort:

„Insonderheit grüße ich Euch hier in Vogtlands herrlichen Bergen, liebe Adorfer Heckel, die Ihr seit 500 Jahren auf dieser Scholle hauset, die Ihr auf unserer Väter Grund und Boden stets gearbeitet und gewirkt habt. Wir aber sind in die Ferne gezogen und haben dort eine neue Heimat gefunden, dort, wo wir Arbeit suchten und fanden. In uns steckt der sächsische Wandergeist – „hinaus ins feindliche Leben, das Glück zu fassen!“ Heute, zum Geschlechtertag empfinden wir, daß die Heimat unserer Väter immer noch unsere Heimat geblieben ist. „Sie ist’s, ob auch in weiter Ferne die Mutter sang das Wiegenlied!“ Bei meiner jahrzehntelangen Stammbaumforschung wurden meine Schritte nach Eger gelenkt. Dort entdeckte ich im Wallenstein-Haus unser Wappen. Ich ging zum Archivar Dr. Karl Siegl und fand vollen Aufschluss. Meine eigenen Nachforschungen reichen bis zu Ende des 15. Jahrhunderts. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts fehlen in Eger alle Papiere, nicht nur die unseres Geschlechts, sondern auch die der anderen Patrizier. Einen Anschluß-Nachweis zu suchen ist zwecklos. Doch versicherte mir der Archiv-Rat, daß es gar keinen Zweifel in der Abstammung aus der Stadt Eger gebe. Das Wallensteinhaus, das jetzige Stadthaus von Eger, war einstens unserer Ahnen Eigentum. Ueber ein Jahrhundert stellte unser Geschlecht die Bürgermeister der freien Reichsstadt Eger. Unsere Ahnen gründeten Klöster, errichteten Stiftungen (z. B. in Adorf): Heckelsches Legat, Orgel in der Johanniskirche von Frau Heckel, geb. Schopper!), waren Edelzeugen bei Fürsten und Kaisern. Heckel saßen als Bürgermeister von Eger mit Friedrich Barbarossa zu Tisch, da er als junger Graf in Eger getraut wurde in der noch erhaltenen Burgkapelle. Ein Heckel hatte Beziehungen zu Ludwig dem Bayer. Max v. Heckel z. Zt. Professor der Geschichte in München, der Chronist einer um 1300 von uns abgetrennten bayerischen Linie, schreibt, daß „Heckel“ schon vom 6. – 11. Jahrhundert in Aufzeichnungen genannt werden. Außer jener bayerischen Linie gibt es eine österreichische, eine schwäbische und eine trierische Familie Heckel. Die Mannheimer Linie Heckel, die so rege Beziehungen zu Richard Wagner hatte, stammt aus der österreichischen Familie. Im Jahre 1879 war mein Vater beim Musikdramatiker in Bayreuth. Richard Wagner lebte bekanntlich eine Zeit lang (1863) in meiner Heimat Biebrich. Für morgen laden wir ein, nach Eger, zur urhistorischen Scholle der Heckel zu fahren.

Vor uns gesehen sind 1.000 Jahre eine unendliche lange Spanne Zeit, rückwärts geschaut bedeuten sie 30-35 Generationen. Die Heckel waren zu allen Zeiten tatkräftige Männer, eine besondere Eigenart ist ihre schnelle Entschlußkraft. Ihnen gelte Körner Wort: „Die Zeit ist schnell, doch schneller ist das Schicksal; wer feig des einen Tages Glück versäumt, der holt’s nicht ein, und wenn ihn Blitze trügen“.

In solcher Begeisterung wurde auch die Idee unseres lieben Dr. Hans Heckel Harburg-Wilhelmsburg, verwirklicht. Auf seinen Ruf eilten wir nach Adorf auf die heilige Scholle. Wir aber, die wir heute heimische Luft atmen, eine Luft, in der noch Molekületeilchen aus unserer Ahnen Lebenszeit sich paaren und miriadenweise vermehren – wir wollen uns erheben und in Ehrfurcht und Stille unserer Vorfahren gedenken“.

In herzlicher Freude klang das gemeinsame Tafellied des verdienten Stadt-, Kirchen- und Schulchronisten Bruno Günther aus: „Mutterlieb im Heckelhause, blühe fort, o Mutterglück!“

Die Stadtgemeinde durch Stadtvater Horlbeck und die Kirchfahrt durch Pfarrer Tänzer nahmen in Wort und Schrift regen Anteil.

Der Abend war wiederum der Geselligkeit gewidmet. Mit Humor gewürzte Reden, Erinnerungen und gemütvoller Austausch ließen die Stunden schnell verrinnen. Den musikalischen Teil bestritt bei allgemein anerkannter Fertigkeit der neue jugendliche Adorfer Stadtkantor aus dem Heckelschen Gastwirtsgeschlecht, Martin Ruckdeschel.

Am Montag vereinte die Heckel-Leute ein historisch- familienkundlicher Ausflug nach der Urheimat der Heckel-Väter, nach Eger. Es war ein familiengeschichtlicher Augenblick, als die Heckel-Männer am Grabstein ihres Urahnen und zugleich der Vergangenheit ihres Geschlechtes dachten. Auf der Platte ist noch deutlich zu lesen:

„Der christlich ehrbare Mann, Hermannus Heckel, der Eger Stadt Bürgermeister, der einen Garten zu diesem Kloster gestiftet hat, starb im Jahre 1314 † Dem Gott gnad“. – Unter der Inschrift ist das Heckelwappen deutlich zu schauen.

In dem Bewußtsein, mit ehrfürchtigen Dank an die Heckel-Vorfahren an ereignisreichen Stätten im deutschen Egerlande gedacht zu haben, trennten wir uns abends in der Adorfer Heimat mit den Worten Bernhard Heckels: „Scheiden ist Menschenlos, Wiedersehen unsere Hoffnung!“

 

Noch ein Nachwort des Berichterstatters:

Als Schulknabe verlebte ich manchen Sommertag auf der Elsterwiese meines Geschlechts. Wie gierig hätte ich gelauscht, wenn ich damals hineingetaucht worden wäre in die Geschichte des Heckelschen Grund und Bodens, daß schon 1540, nachweisbar aus Steuerregistern, ein Heckel auf der unteren Mühle saß, mit welch kindlicher Phantasie hätte ich mir den „Heckel auf dem Hammer“ vorgestellt! Sei uns E. Geibel immer ein Mahner in seinem Worte: In Rom, Athen und bei den Lappen, da späh’n wir jeden Winkel aus, dieweil wir noch im Finstern tappen daheim im eigenen Vaterhaus! Ihr Adorfer! Gedenkt der Geschichte Eurer „alt’n Stoodt!“  Ein Dreigestirn möge den Familientagen strahlen: Treue! Liebe! Heimat! Des Dichters Fontanes Ruf: „Der ist in stiller Seele treu, der so die Heimat liebt wie Du …“ wird uns dann zum beglückenden Evangelium. Daraus schöpft unser Glaube an die obere himmlische Heimat, der alle Geschlechter auf Erden zustreben, immer wieder Kraft.

 

Oskar Ruckdeschel-Sehma

 

Egal, welche Chronik von Adorf man in die Hand nimmt, es dauert nicht lange, und es wird in verschiedenen Zusammenhängen über einen Heckel berichtet.

Das Adressbuch aus dem Jahre 1896  weist die Heckel in nachfolgenden Berufen/Gewerken aus:

Arzt, Bäcker, Brennmaterialienhändler, Fuhrhalter, Landwirt, Musikinstrumentenmacher, Schlosser, Schuhmacher, Spediteur und Zinngießer. Teilweise wurde über Generationen das jeweilige Handwerk weitergeführt.

Im Jahre 1919 waren Tischlermeister Oskar Heckel und Schlossermeister Hans Heckel Mitglieder des Gewerbevereins Adorf. Hans Heckel gehörte am 15. März 1936 zu denjenigen, die das Protokoll über die Auflösung des Gewerbevereins unterschrieben.

 

Ich gehe davon aus, dass Oberlehrer Bruno Günther, der für den „Heckel Tag“ umfangreich in den Kirchenbüchern und Archiven  recherchiert hat, wie in vielen anderen Fällen für die jeweiligen Familien einen Stammbaum anfertigte und der eine oder andere noch heute im Besitz der Familien ist. Auf dieser Grundlage basieren sicherlich auch verschiedene Familienstammbäume in den einschlägigen Familienforscherportalen im Internet. In diesen geht es zum Teil bis in die im Bericht angesprochene Zeit der Heckel in Eger zurück. Wer kann schon von sich behaupten, dass einer seiner Ahnen als Bürgermeister mit Friedrich Barbarossa an einem Tisch saß.

 

Ob es nach dem Familientag im Jahre 1929 weitere derartige Treffen gab bzw. die Verbindungen zwischen den verschiedenen Familien in ganz Deutschland aufrechterhalten wurden?

 

Klaus-Peter Hörr

August 2020