Holler-Brauerei Adorf -

 Brauhaus Adorf

 

 

An dieser und anderer Stelle habe ich in der Vergangenheit mehrfach über die wechselvolle Geschichte Adorfer Gaststätten berichtet. Es ist an der Zeit, auch einmal einen Blick auf die ortsansässigen Brauereien zu werfen. Alle früher in Adorf ansässigen Brauereien gibt es seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Bei den Recherchen musste ich feststellen, dass über diesen Bereich der Adorfer Wirtschaft und Gewerbes nur noch wenig bekannt ist, und die letzten Reste dieser Unternehmen wie originale Gläser, Krüge, Flaschen, Bierfilze, Rechnungsformulare oder Emailleschilder in Sammlerkreisen hoch gehandelt werden. Dies mag daran liegen, dass es Brauereien waren, die hauptsächlich regional agierten und deren Untergang in Zeiten von statten ging, in denen nur wenige darauf bedacht waren, sich entsprechende Erinnerungen zu sichern. Unten abgebildeter Bierfilz, umgangssprachlich auch Bierdeckel genannt, das Werbeplakat und das Werbeschild stammen aus der Sammlung des Adorfer Perlmutter- und Heimatmuseums.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Laut Eintrag im Sterberegister des Standesamtes Adorf vom 4. Oktober 1900 wurde Johann Georg Holler am 17. Juli 1844 in Steppach bei Bamberg als Sohn des Brauereibesitzers Friedrich Holler geboren. Wenn es sich nicht um eine Namensgleichheit handelt, war Friedrich Holler nach meinen Recherchen auch Gastwirt auf dem dortigen Felsenkeller, Oekonom (Landwirt) und Posthalter. Was wird Georh Holler veranlasst haben, ins Vogtland zu gehen? War es die Liebe, die schöne vogtländische Landschaft oder die Tatsache, dass er eventuell ältere Brüder hatte, die in der Erbfolge für den väterlichen Besitz vor ihm standen?

 

Werner Pöllmann schreibt in einem Text über das Rittergut Breitenfeld (Neikirnger Heimatbote 1/2020), dass Georg Holler bereits im Jahre 1873 dort Brauer war und 1874 in Breitenfeld sein ältester Sohn geboren wurde.

 

Den Tod von Johann Georg Holler am 3. Oktober 1900 zeigte sein ältester Sohn Albin Curt Holler beim zuständigen Standesamt in Adorf an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Traueranzeige belegt die Verbindungen der Familie nach Bayern über Jena bis nach Amerika.

Die nachfolgende Anzeige vom 20. Oktober 1900 zeigt, dass Cäcilie verw. Holler die Brauerei unter alten Namen weiterführen wird. Die Stellung der Frauen in der Gesellschaft war damals noch eine andere als heute. Vom Wahlrecht waren sie noch lange ausgeschlossen und für viele Dinge benötigten sie das Einverständnis des Ehegatten. In Adorf gab es einige Beispiele dafür, dass Witwen das Geschäft des verstorbenen Ehemannes erfolgreich über viele Jahre fortführten.

 

 

Einen interessanten Abriss der Firmengeschichte der Holler-Brauerei liefert uns ein Bericht anlässlich des 50jährigen Firmenjubiläums im Adorfer Grenzboten vom 14. Dezember 1935.

 

„50 Jahre Holler-Brauerei. Morgen Sonntag vollendet sich ein halbes Jahrhundert, seitdem hier die Hollersche Brauerei in Betrieb gesetzt worden ist. In den 80er Jahren war der aus Bayern gekommene Georg Holler Braumeister in der Bürgerbrauerei zu Adorf. Da er das Bestreben nach Selbständigkeit hatte, kaufte er im Frühjahr 1885 an der Elsterstraße ein Grundstück und errichtete sich eine nach heutigen Verhältnissen bescheidene Brauerei, ein Gebäude mit zwei Fenstern, und ein Nebengebäude; zwei Jahre später wurde dann erst das Wohnhaus gebaut. Die Brauerei entwickelte sich weiter, sodaß der Anbau eines Gärkellers sowie der Aufbau eines Eiskellers möglich wurden. Da der 18 Meter tiefe Brauereibrunnen nicht genügend Wasser lieferte, wurde etwa 600 Meter oberhalb der Brauerei gebohrt und ein gutes, von der Versuchs- und Lehrbrauerei Berlin und München „als bestes und mildes Wasser zum Bierbrauen  anerkanntes Quellwasser gewonnen. Im Jahre 1900 starb nach vieljähriger Krankheit der Gründer der Hollerbrauerei, Georg Holler, und die praktische Weiterführung des Brauereibetriebes ging in die Hände seines Sohnes Paul Holler über. Die Witwe des Gründers, Frau Cäcilie Holler, die heute im 83. Lebensjahre steht, hat vom Tode ihres Gatten an bis ins hohe Alter tatkräftig am Weitergedeihen ihres Betriebes mitgewirkt. Im Laufe der Jahre nahmen auch die beiden anderen Söhne - Kurt und Willy Holler - an der Geschäftsführung lebhaften Anteil. Vor etwa 30 Jahren wurde ein neuzeitlicher Lager- und Eiskeller errichtet, dessen Temperatur selbst im Hochsommer nicht über 2 Grad Wärme steigt. Bemerkt sei, daß die Hollerbrauerei im Jahre 1914 zwei Heereslieferungen nach Frankreich und eine nach Rußland auszuführen hatte. Nach dem Kriege am 1. Januar 1919 übernahmen die jetzigen Inhaber, Herren Paul und Kurt Holler, den Brauereibetrieb. Herr Willy Holler mußte sich infolge eines Unfalls von der weiteren Mitarbeit zurückziehen. Rastlose Arbeit der Inhaber und eine einwandfreie Qualität ihres Bieres wirkten sich für das Unternehmen sehr günstig aus, sodaß der Name Hollerbräu heute weit über die Grenzen unseres oberen Vogtlandes hinaus einen guten Klang hat. Zum morgigen Ehrentage werden die zahlreichen Freunde des vorzüglichen Hollerbräu seinen Erzeugern die besten Wünsche für ein weiteres Gedeihen entgegenbringen.“

 

 

 

 

In einer Publikation unter dem Titel „Deutschlands Jubiläumsfirmen Handelskammerbezirk Plauen“ aus dem Jahre 1927 ist vermerkt, dass die Elstertal-Brauerei Georg Holler Adorf i. Vogtl. im Jahre 1884 gegründet wurde.

Obiger Artikel könnte die Differenz zw. Firmengründung 1884 und 50jähriges Jubiläum erklären. In diesem wird davon gesprochen, dass am 15. Dezember 1885, ein Dienstag, die Brauerei in Betrieb gesetzt wurde. Gegründet wurde die Brauerei demnach schon 1884. Bis zum Betriebsbeginn hat es dann gut ein Jahr gebraucht.

 

Dieser Bericht über eine 50jährige Firmengeschichte zeigt ein typisches Beispiel vom Traum eines Fachmannes nach einem eigenen Unternehmen, welchen er mit Fleiß, Qualitätsprodukten und großer Unterstützung der gesamten Familie umsetzte.

 

Die hohe Qualität der Biere aus der Adorfer Holler-Brauerei beschreibt nachfolgender Bericht vom Juni 1907 über die Gastwirtschafts-Ausstellung zu Falkenstein.

 

„Die Elstertalbrauerei der Firma Georg Holler, hier, hat auf der Gastwirtschafts-Ausstellung zu Falkenstein die goldene Medaille auf ihre Brau-Erzeugnisse erhalten. Die genannte Brauerei hat in ihrem in der Ausstellung errichteten Bierkeller, wo man sich sehr gemütlich fühlt, drei Sorten Bier ausgeschänkt und zwar ein gern getrunkenes Deutsch-Pilsner, ein süffiges Münchner und ein gutes Lager, sämtlich aus der Hollerschen Brauerei. Daß die Hollerbiere vortrefflich gemundet haben müssen, beweist die Tatsache, daß Ausstellungsbesucher vier bis fünf Mal sich im Hollerschen Bierkeller wieder eingefunden haben mit dem Bemerken, daselbst das beste Bier der Ausstellung zu erhalten.“ Die Biere aus Adorf mundeten nicht nur im Vogtland. Auch in Belgien wurden die Biere im gleichen Jahr von königlicher Hand ausgezeichnet.

 

 

 

 

 

Für ein gutes Geschäft waren gute Beziehungen zu den lokalen Gaststättenbesitzern bzw. Pächtern notwendig. Es wurde immer wieder erzählt, dass damals unter Geschäftsleuten der Spruch galt: „Leben und leben lassen“. Es wurde ab und zu auch bei einer anderen Brauerei oder einem anderen Vertreter eine Lieferung bestellt. Beleg dafür könnte sein, dass in den Listen über die ausgeschenkten Biere der Gastwirtschaften immer wieder Biersorten in geringen Mengen auftauchten, die eigentlich nicht zum Stammsortiment zählten.

In den städtischen Verzeichnissen der in Adorf i.V. verschenkten Biere tauchten in den Jahren 1904/05 auch die Namen Georg und Kurt Holler für verschiedene Gaststätten auf. Dies kann bedeuten, dass sie entweder Eigentümer bzw. Pächter dieser Gaststätten und somit für die Zahlung der Schankgewerbesteuer verantwortlich waren. Auch heute soll so manche Gastwirtschaft Eigentum einer Brauerei sein, um den Absatz des eigenen Bieres zu sichern.

Bei den Hollers betraf die damals das „Feldschlösschen“, das „Deutsche Haus“ und die „August Ruh“. Warum zu dieser Zeit die Herren Holler hier aufgeführt sind, müsste separat recherchiert werden. Im Jahre 1911 verkaufte August Kohle das Restaurant „Zum goldenen Stern“ an die Firma Georg Holler. Ein Jahr später übernahm August Schreckenbach, zuvor Wirt der „Deutschen Flotte“ die Pacht des Restaurants „Zum goldenen Stern“/Garküche.

August Schreckenbach und die Hollers waren in der Elsterstraße seit 1891 so gut wie Nachbarn und hatten anscheinend guten Kontakt. Im Mai 1893 unterschrieb Brauereibesitzer Georg Holler eine Petition zu Gunsten der Erteilung einer Schankkonzession für August Schreckenbach. Diese Petition war leider wie weitere Anläufe über 20 Jahre erfolglos. Im Dezember 1893 übernahm der Brauer Paul Holler die Patenschaft über die Tochter Helene von August Schreckenbach. Was wird sein Taufgeschenk gewesen sein?

 

 

 

Dieses Foto aus der Zeit um den Jahreswechsel 1916/17 zeigt drei stolze Brauer, die nicht verleugnen können, miteinander verwandt zu sein.

 

Herr Reinhold aus Berlin fragte sich, was die drei Herren auf dem obigen Bild für Uniformen tragen. Waren es Dienstuniformen aus dem Brauereigewerbe oder doch Felduniformen, die im Ersten Weltkrieg getragen wurden? Er holte hierfür eine Expertise von Fachleuten aus dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden ein.

Dr. Gerhard Bauer antwortete ihm wie folgt:

„Die drei gewichtigen Herrschaften tragen vorschriftsmäßige Felduniformen, die auf die 1907 eingeführten Feldröcke zurück gingen. Nachdem das Foto von 1917 stammt, nehme ich aber an, dass es sich um spätere Varianten des ersten Feldrockmusters handelt. 1913 wurde ein "Feldrock nach Landsturmschnitt" eingeführt, dessen Unterschiede zum 1907er Modell äußerlich nicht sichtbar waren. 1915 kam zusätzlich ein "vereinfachter Feldrock" zur Ausgabe, an dem die Paspelierung entfallen war. Die Aufnahme ist in diesem Fall nicht detailreich genug, um feststellen zu können, ob nicht die außenstehenden Soldaten den vereinfachten Feldrock tragen. So oder so wurden bis Kriegsende alle seit 1907 eingeführten Modelle getragen, solange sie instandgehalten werden konnten. Dabei galt allerdings, dass man zumindest versuchte, die aktiven Regimenter mit dem modernsten Material auszustatten, während die Landwehr und vor allem der gewöhnlich in der Etappe und im Hinterland der Fronten, sowie in der Heimat eingesetzte Landsturm (ungediente, tauglich gemusterte oder zuvor zurückgestellte Männer zwischen 17 - 39 Jahren und noch taugliche Männer zwischen 39 und 45 Jahren) oft ältere Uniformierung, Bewaffnung und Ausrüstung nutzen musste. Ganz sicher handelt es sich bei dem mittig stehenden Herrn um einen Unteroffizier. Auch die beiden anderen könnten Unteroffiziere sein. Darauf deuten die Schirmmützen hin. Ich meine aber auch - und das wäre für den Dienstgrad ausschlaggebend - an den Krägen Rangtressen zu erkennen. Leider kennen wir die Farbe der Besatzbänder an den Mützen nicht. Sie erscheint mir aber so dunkel, dass es sich um Schwarz, die Waffenfarbe der Feldartillerie handeln könnte. Auch die Form der  Ärmelaufschläge deutet darauf hin. Das ist aber nur eine Vermutung. Der Truppenteil ist nicht zu identifizieren. Es liegt nahe, dass es sich um Angehörige des sächsischen Heeres handelt. Um das zu verifizieren, müsste man die Farben der Landeskokarde (untere Kokarde auf der Mütze. Oben saß immer die Kokarde in den Reichsfarben). Wir werden auch nicht herausbekommen, ob die drei mutmaßlichen Unteroffiziere bei einem aktiven, Reserve-, Landwehr- oder Landsturm-Truppenteil standen. Dazu müsste man wissen, wie die Landeskokarde genau gestaltet ist. für Reserve, Landwehr und Landsturm gab es Kreuze als Auflagen für die Kokarden, die den jeweiligen Status anzeigten. Ich tendiere in dem Fall zur Reserve oder zur Landwehr, weil die Uniformierung einheitlicher erscheint als es sie beim oft stiefmütterlich behandelten Landsturm war.

Patriotismus durfte man natürlich 1914/18 öffentlich bekunden. Keinesfalls war es aber erlaubt militärische Bekleidung zu tragen, ohne tatsächlich Kriegsdienst zu leisten. Stattdessen konnte man alle möglichen Abzeichen, Ringe etc. erwerben, die mit patriotischen Symbolen und Sprüchen dekoriert waren.“

Die letzten Details konnten wegen eines fehlenden Farbfotos nicht geklärt werden. Mir liegen keine Informationen bezüglich eines Kriegsdienstes der Herren vor. Laut obiger Erklärung war das Tragen von militärischer Bekleidung ohne einen tatsächlichen Kriegsdienst nicht erlaubt. Ich vermute, dass sich die drei Brauer um den Jahreswechsel 1916/1917 daheim in Adorf trafen. Damit ist es unwahrscheinlich, dass sie hierzu alle gleichzeitig von den fernen Fronten zum Heimaturlaub nach Adorf kamen. So könnte es sein, dass sie ihren Kriegsdienst im näheren heimatlichen Umkreis in der Etappe leisteten.

Vielen Dank an die Herren in Berlin und Dresden für die interessante Ergänzung dieses Textes.

 

 

Von der angespannten Situation in der Kriegswirtschaft wurde auch das Bier der Elstertal-Brauerei von Georg Holler nicht verschont. Hopfen und Malz standen anscheinend nicht im erforderlichen Maße zur Verfügung. Man fand mit dem „Hopfengold“ eine Alternative. Gemäß Verordnung des Ministeriums des Innern im Königreich Sachsen vom 20. März 1917 wurde amtlich festgestellt, dass nicht alles Gold ist was glänzt. Mit dem „Hopfengold“ wurde unter der lfd. Nr. 143 eines von vielen Ersatzmitteln vom Handel innerhalb Sachsens ausgeschlossen. Ob dieses „Bier“ noch nach Bayern ausgeliefert werden durfte ist nicht bekannt. Sicherlich war mit dem „Hopfengold“ die Grenze des guten Geschmacks überschritten.

 

 

Ob es gut fürs Geschäft war, wenn man im gleichen Metier die Familienbande knüpfte? Oder war es eher ein Zufall, dass Paul Holler mit seiner Verlobten eine Frau aus der gleichen Branche fand?

 

 

 

 

 

Ob Hedwig Riedel auch aus der Brauereibranche kam, konnte bisher nicht eindeutig recherchiert werden. Ich bekam den Hinweis, dass zu dieser Zeit „Meyers“ einige Wirtshäuser in der Gegend um Neuensalz, Altensalz und Theuma besessen haben sollen. Ob Hedwig geb. Meyer aus dieser Familie stammt, ist offen. Wenn ja, wäre es eine durchaus interessante Verbindung zw. Industrie und Gaststättengewerbe. In der Firmengeschichte der Holler-Brauerei wurde erwähnt, dass Willy Holler sich nach Kriegsende im Jahre 1919 wegen eines Unfalls aus dem Geschäft der Holler-Brauerei zurückziehen musste. Dieser Zeitpunkt fällt mit dieser Hochzeit zusammen.

 

 

 

 

Laut Ahnenforschungsportal „ancestry“ wurde Alwin Curt Holler am 13. Dezember 1874 in Breitenfeld geboren und verstarb am 3. Januar 1938 in Adorf. Gertrud Ida Camphausen wurde laut gleicher Quelle am 12. August 1890 in Adorf geboren. Demnach gründete Curt Holler relativ spät eine eigene Familie.

 

 

 

 

Ob das Kennenlernen von Curt Holler und Gertrud geb. Camphausen rein zufällig war? Trafen sich beide das erste Mal bei Ballmusik im Feldschlösschen? Ob hier die Mütter Clara verw. Camphausen und Cäcilie verw. Holler beim Kaffeekränzchen etwas arrangiert haben? Das entsprechende Alter für eine Vermählung hatten ihre beiden Kinder allemal.

 

Das Brauereigeschäft war damals wie heute nicht einfach. Mal fehlte es an geeignetem Personal und manchmal am Leergut. Themen, die wir auch heute regelmäßig in der Presse lesen.

 

 

 

 

 

Der Aufruf zur Flaschenrückgabe stammt aus dem Jahre 1916. Er muss wenig Gehör gefunden haben. Die Folge war eine generelle Einführung des Flaschenpfands. Wenn man die Anzeige aufmerksam liest, stellt sich die Frage, ob es damals schon Flaschen ohne Bügel und Gummi in Deutschland gab. Oder wurde das Pfandgeld reduziert, wenn Gummi und/oder Bügel fehlte?

Herr Weigert erinnert sich an die mahnenden Worte seiner Oma und Tante: „Lasst den Gummiring auf der Flasche, wir kriegen sonst kein Pfand mehr zurück:“

 

 

 

 

Ob es zu dieser Zeit bereits den Kronenkorkenverschluss in Deutschland gab? Das Patent hierfür wurde laut Wikipedia 1892 vom Erfinder William Painter aus Baltimore angemeldet. Damals hatten die Kronenkorkenverschlüsse noch 24 Zacken. Und heute? Zählen Sie doch einfach einmal nach.

 

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit Mitte/Ende der 1980iger Jahre. Im Konsument-Warenhaus Plauen (heute Landratsamt) ergatterte man ab und zu in der Lebensmittelabteilung im Obergeschoß die eine oder andere Bügelflasche mit Wernesgrüner Bier. Nicht jede leergetrunkene Flasche wurde gleich wieder zurückgegeben, sondern zweckentfremdet verwendet. Nicht immer ging die Pfandflasche mit Gummi zurück. Da dieser Gummi nicht das ewige Leben hatte, musste dieser bei den privat benutzen Flaschen ab und zu ausgetauscht werden.

 

Wie sicherlich bekannt, stammt auch die Bierdose aus Amerika. In einem Bericht aus dem Jahre 1935 soll mit ihr 55 % am Verpackungsgewicht und 64 % an der Raumbeanspruchung gespart worden sein. Das Pfandsystem hatte sich mit der Einführung der Bierdosen für dieses Sortiment erledigt. Weiterhin konnte mit einer kürzeren Pasteurisation gearbeitet werden, da das Bier nicht wie in Glasflaschen dem Licht ausgesetzt ist. Bei den Kunden soll diese Verpackung gut angekommen sein und zu einer Umsatzsteigerung geführt haben.

 

Dass das Holler-Bier nicht nur gut gegen den Durst, sondern auch Garant für eine ruhige Hand und einen scharfen Blick war, belegt die Tatsache, dass im 100. Jahr der Fahnenweihe der privil. Schützengesellschaft im Jahre 1922 Herr Brauereibesitzer Kurt Holler am 6. Juni 1922 die Königswürde errang. Es ist zu vermuten, dass zu diesem Anlass keine Kehle trocken blieb.

 

 

 

 

Obiger Werbespruch muss sehr nahe an der damaligen Realität gewesen sein. Die geschalteten Anzeigen der Brauerei hielten sich nach meinen Recherchen sehr in Grenzen.

 

Im Jahre 1929 erfolgte eine Umbenennung der unter Handelsregister Nr. 158 eingetragenen Firma Georg Holler in Adorf in Brauhaus Adorf Georg Holler.

 

 

 

Sammlung Perlmutter- und Heimatmuseum Adorf

 

 

Zum 1. April 1941 wurde die Brauerei an Dr. Alfred Böhme verkauft. Er bestellte Herr Erich Wolff aus Adorf zum Betriebsführer. Dieser Umstand lässt darauf schließen, dass der neue Eigentümer nicht am Ort war und die Geschäfte nicht selber übernehmen konnte oder wollte. Beide Herren sind im Adressbuch des Jahres 1942 nicht in Adorf zu finden. Ein Dr. Alfred Böhme findet sich im Adressbuch von Berlin des Jahres 1943 als Bankier.

 

 

 

 

 

Die Geschwister Holler zogen im Juni 1941 nach Jocketa und wünschten allen Freunden und Bekannten ein herzliches Lebewohl.

Was wird der Grund für diesen Verkauf gewesen sein? Wenn wir davon ausgehen, dass Curt Holler im Jahre 1874 geboren wurde, wäre er 1941 67 Jahre alt gewesen. Somit waren seine Brüder zu diesem Zeitpunkt auch im Rentenalter.

 

 

 

 

Obiger Briefkopf aus dem Archiv der Stadtverwaltung Adorf zeigt eine gelungene aber nicht übertriebene Gestaltung. In Briefbögen so mancher Firma aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind imposante Firmenanlagen zu sehen, die man sich heute so gar nicht vorstellen kann. Bei der Rechnung aus dem Jahre 1890 aus der Sammlung von Familie Jung fragt man sich, ob es sich hierbei um ein gedrucktes universelles Formular handelt, oder ob hier der Kontorschreiber mit gestochener Schrift und Feder das Formular eigenhändig erstellt hat. Seinen Zweck hat es erfüllt. Es wurden vier Monate rückwirkend die Lieferungen berechnet und dankend bezahlt. Ob die Brauereien heute auch so großzügig sind?

 

 

 

 

Laut einem Schreiben von Gastwirt Kurt Thomä vom 8. September 1945 an den Adorfer Bürgermeister bezüglich einer Schankkonzession für die Gastwirtschaft „Zeppelin“ wissen wir, dass zu diesem Zeitpunkt das Brauhaus Adorf seinen Betrieb wieder aufgenommen hatte und demnächst mit dem Ausstoß beginnen wollte. Wenn er hier von einem beginnenden Ausstoß sprach, wird man sicherlich mit einem kräftigen Holler-Bock begonnen haben.

Im Sächsischen Landesadressbuch von 1948 wird unter Adorf, Elsterstr. 50 ein Brauhaus aufgeführt. Demnach wurde zu dieser Zeit in Adorf noch Bier gebraut.

 

Bei meinen Recherchen zur Gewerbegeschichte der Stadt Adorf und dem Sortieren meines Materials musste ich feststellen, dass die Brauerei Georg Holler bzw. das Brauhaus Adorf eher selten in Erscheinung trat. Die Fa. Holler hat sicherlich mit einem gutem Biersortiment und entsprechendem Service für sich und seine Produkte geworben. Als Eigentümer bzw. Pächter verschiedener Gastwirtschaften sorgen sie zusätzlich für den Absatz ihres Bieres. Dass die Brauerei ein gutes Verhältnis zu den Wirten gehabt haben muss, beweist die Tatsache, dass anlässlich des 30jährigen Gastwirtsjubiläums von Franz Meissner im Jahre 1935 berichtet wurde, dass er gleichzeitig in diesen 30 Jahren Pächter von Gastwirtschaften der Brauerei Holler war.

 

Am 5. Januar 1951 informiert das Amtsgericht Oelsnitz, dass über das Vermögen des Dr. Alfred Böhme, Adorf (V.) Elsterstr. 50, jetzt Berlin, (Alleininhaber der Fa. Brauhaus Adorf Georg Holler) am 14. Dezember 1950 10.00 Uhr das Konkursverfahren eröffnet wurde. Wer diese Information richtig liest, der erkennt, dass über das Vermögen des Dr. Alfred Böhme das Konkursverfahren eröffnet wurde. Damit war das Brauhaus Adorf Teil der Konkursmasse und selbst nicht zwingend insolvent. Ob der Konkursverwalter das Brauhaus Adorf an einen Interessenten verkaufen konnte? Oder war damit auch für das Brauhaus Adorf Georg Holler Hopfen und Malz verloren?

 

Laut Onlinerecherchen in den Beständen des Staatsarchivs Chemnitz soll es 1937 eine Umschreibung der Handelsregisternummer von Blatt 158 auf HRA 28 gegeben haben. Die Löschung des Handelsregistereintrages beim Rat des Kreises Oelsnitz soll 1969 erfolgt sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich mit Sicherheit der letzte Holler-Bock seine Hörner abgestoßen.

 

Das nachfolgende Bild aus der Sammlung von Peter Jacob aus dem Jahre 1914 zeigt, dass die Holler-Brauerei ein recht großes Unternehmen war.

Im Bild darunter sieht man hinten links noch ein Gebäude der Holler-Brauerei. Ein Beleg dafür, dass das Betriebsgelände damals von der Elsterstraße bis zur heutigen Lessingstraße reichte.

 

 

 

 

 

 

Weitere Recherchen in Adorf ergaben, dass von der LPG Adorf im ehemaligen Wohnhaus der Hollers (rechter Gebäudekomplex) Wohnungen für ihre Mitglieder ausgebaut wurden. Dies muss der Stadtverwaltung verborgen geblieben sein. Ein Mieter aus der Zeit von 1982-1984 erzählte, dass er im Wohnungsamt unterschreiben musste, dass er die „baufällige“ Wohnung auf eigene Kosten renoviert. Diese Unterschrift leistete er gerne und hatte so mit seiner jungen Familie eine annehmbare Wohnung. Nach seinen Informationen muss in diesem Gebäudekomplex auch Ofensetzer Scheibchen eingemietet gewesen sein.

 

Am 14. Juni 1989 um 17 Uhr löste sich der stolze Rest der Holler-Brauerei in Staub auf. Heute kann man sich kaum vorstellen, dass sich an dieser Stelle einst ein solch großer Gebäudekomplex befand. Dank Peter Götz wurden die letzten Minuten der Holler-Brauerei-Geschichte im Bild festgehalten und für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

 

 

 

Ob es noch Aufnahmen mit den kräftigen Brauereipferden oder den Kraftfahrzeugen der Brauerei Holler bei der Auslieferung des Bieres oder bei einem Festumzug gibt?

 

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir für diese Firmengeschichte Hinweis gaben und Material zur Verfügung stellten.

 

Klaus-Peter Hörr

April 2020, Aktualisierung Mai 2021 / Nov. 2022/ Dezember 2023