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Kreisfachgruppenversammlung der Kaninchenzüchter in Adorf i. V.
"Am Sonntag nachmittag war im Gasthaus "Zum alten
Fritz" eine Kreisfachgruppenversammlung der Kaninchenzüchter angesetzt
gewesen, zu der die 8 Vereine Adorf, Oelsnitz (3 Vereine), Markneukirchen,
Schöneck, Untermarxgrün und Untertriebel
Vertreter entsandt hatten; außerdem waren auf Einladung hin noch 3
Siedlervereine vertreten. Kreisgruppenvorsitzender Gruber- Oelsnitz eröffnete
die Versammlung und gab folgende Tagesordnung bekannt:
1. Bekanntgaben
2. Vortrag von Otto Hellinger
3. Allgemeines, Werbung
4. Werbeschau in Oelsnitz i. V.
Dann sprach er über die
Antragstellung zur Belieferung mit Torfmull als Einstreu in den Ställen, über
die zu fördernde Haltung der Wirtschaftsrassen: weiße Angora, Wiener weiß
oder blau, Helle Großsilber, Deutsche Großsilber schwarz, Deutsche Widder
grau oder weiß, Groß- oder Klein-Chinchilla. Der Vorzug ist der Angorarasse zu geben. Durch die Zucht der Angorakaninchen
sind im vergangenen Jahre im Deutschen Reiche 30 Millionen RM Devisen
eingespart worden, und diese Summe kann noch erheblich gesteigert werden
durch die erhöhte Angorazucht. Ueber
die Kaninchenzucht im allgemeinen sagte der Vorsitzer Gruber, daß nur so
viele Tiere gehalten werden sollen, als die wirtschaftseigenen Futtermittel
und die Haushaltsabfälle das gestatten. In der Jetztzeit ist vor allem das
Abschlachten der weiblichen Tiere zu unterlassen. Weiter beschäftigte sich
der Vorsitzer in seiner Rede mit den Zuschüssen an
Kleintierhalter aus staatlichen Mitteln, eine Unterstützung, die erst im
Staate Adolf Hitlers zur wirklichen und spürbaren Hilfe geworden ist. Dann
folgte ein Vortag von Otto Hellinger- Oelsnitz über Angora-Zucht. Die
Angorakaninchen sind die erste Wirtschaftsrasse und bringen dem Züchter
wesentliche Vermögensvorteile. Der Redner richtete einen dringenden Appell an
die alten Züchter, neben ihrer Lieblingsrasse auch noch einige
Angorakaninchen zu halten. Die Fütterung ist einfach, der Absatz der Wolle zu
guten Preisen und der Zuchttiere ist gesichert. Wir müssen, so sagte Herr
Hellinger, dem Staat unter die Arme greifen, es ist für jeden Züchter
vaterländische Pflicht, die Erzeugung der Angorawolle mit steigern zu helfen.
Den Angora-Züchtern ist es leicht gemacht, da die staatlichen
geldlichen Beihilfen in erster Linie dem Angorazüchter
zufließen. Die Rentabilität wird von keiner anderen Rasse erreicht wie bei
Angora. Der Vorsitzer gab dann nach Behandlung
interner Vereinsangelegenheiten davon Kenntnis, daß
Werbeschauen in Oelsnitz und Markneukirchen veranstaltet werden und schloß darauf die Versammlung mit einem Sieg Heil! auf
den Führer und unsere deutsche Wehrmacht."
Der
Bericht zeigt, dass der Verein zumindest in der Außendarstellung Teil des
damaligen politischen Systems war.
Laut Internetrecherche hatte
Angorawolle im Zweiten Weltkrieg wegen ihrer extremen Wärmeisolation und
Schweißabsorption für die
Ausrüstung von Soldaten in extremen klimatischen Bedingungen
eine strategische militärische Bedeutung. Die Wolle unterlag einer
staatlichen Bewirtschaftung. Angorakaninchen sollen sogar auf Initiative von
Heinrich Himmler in Konzentrationslagern gezüchtet worden sein. Für die
Mehrzahl der Soldaten vor Stalingrad stand Ausrüstung aus Angorawolle laut
vielen Berichte nicht zur Verfügung.
Wie wird es mit diesen beiden
Vereinen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weiter
gegangen sein?
Bekannt ist, dass am 11. und
12. Januar 1958 in der Curt-Mittag-Halle der Kreisverbandes der Kleingärtner,
Siedler und Kleintierzüchter eine Rassegeflügel- und Rassekaninchenschau
durchführte. Spartenleiter waren damals H. Koller und F. Füller. Als
Ausstellungsleiter fungierten A. Fietz und W. Wunderlich.
Meine Frau erinnert sich noch
heute daran, dass sie zu Beginn der 1970er Jahre Kaninchen der Großeltern bei
der VEAB (Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb) abgab/verkaufte.
Einmal musste sie ein Kaninchen wieder mitnehmen. Es hatte das Mindestgewicht
verfehlt. In der DDR spielte die private und in den Vereinen organisierte
Kaninchenzucht als Lieferant für Kaninchenfleisch und Fellen eine große
Rolle.
Heute sind die
Kleintierzüchter im Adorfer Kaninchen- und
Geflügelzuchtverein organisiert.
Klaus-Peter Hörr
Mai 2026
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